Wie aus einem Praktikum ein neuer Arbeitsplatz wurde – und warum sich eine Beratung für Arbeitgeber auszahlen kann

Kassel. Ein Praktikum, ein offener Arbeitgeber und eine einzige Beratung – manchmal braucht es nicht mehr, damit aus einer guten Idee eine nachhaltige Erfolgsgeschichte wird. Dass dies keine Theorie ist, zeigt das Beispiel des Kasseler Unternehmens Stoff³ Textilveredelung. Aus der Bereitschaft, einer Praktikantin eine Chance zu geben, entstand nicht nur ein neues Arbeitsverhältnis. Mit der richtigen Unterstützung konnten Fördermöglichkeiten genutzt, ein behinderungsgerechter Arbeitsplatz geschaffen und die Zukunft eines kleinen Handwerksbetriebes nachhaltig gestärkt werden.

Vom Ein-Mann-Betrieb zur nachhaltigen Personalentwicklung

Stoff³ ist ein inhabergeführter Fachbetrieb für Textilveredelung in Kassel. Das Unternehmen veredelt Arbeitskleidung, Vereins- und Sportbekleidung sowie Werbetextilien durch hochwertige Stickerei und verschiedene Druckverfahren. Dabei entstehen individuelle Lösungen für Unternehmen, Vereine und Privatkunden – alles direkt am Standort Kassel.

Wie viele kleine Handwerksbetriebe stand auch Stoff³ vor einer Herausforderung: Der Betrieb wurde über lange Zeit als Ein-Mann-Unternehmen geführt. Die Auftragslage entwickelte sich positiv, gleichzeitig wurden die betrieblichen Anforderungen immer vielfältiger. Der Wunsch, personell zu wachsen und Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen, war vorhanden. Gleichzeitig stellte sich – wie für viele kleine Unternehmen – die Frage, wie eine zusätzliche Beschäftigung dauerhaft wirtschaftlich tragbar gestaltet werden kann.

Eine Chance, die beide Seiten genutzt haben

Die Praktikantin befand sich zunächst beim Bildungswerk der nordhessischen Wirtschaft gGmbH (BWNW) in einer beruflichen Maßnahme und suchte einen geeigneten Praktikumsplatz. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden des Bildungsträgers wurde gezielt nach einem Betrieb gesucht, in dem sie praktische Erfahrungen sammeln und ihre Fähigkeiten einbringen konnte.

Mit Stoff³ Textilveredelung wurde schließlich genau dieser Betrieb gefunden.

Während ihres Praktikums unterstützte sie das Unternehmen in den Bereichen Textilveredelung, Bestickung, Maschinenbedienung sowie Versand und Wareneingang. Schnell zeigte sich, dass Motivation, Zuverlässigkeit und Lernbereitschaft hervorragend zum Unternehmen passten. Der Inhaber zeigte sich von Beginn an offen, der Praktikantin eine Chance zu geben. Bereits während des Praktikums entstand der Wunsch, sie dauerhaft zu beschäftigen und ihr eine langfristige berufliche Perspektive zu ermöglichen.

Doch wie so oft stellte sich anschließend die entscheidende Frage:

Wie lässt sich eine Neueinstellung in einem kleinen Betrieb langfristig wirtschaftlich absichern?

Aus einer Beratung wurde ein individuelles Unterstützungskonzept

An dieser Stelle kam die Einheitliche Ansprechstelle für Arbeitgeber (EAA) ins Spiel.

In einem persönlichen Beratungsgespräch wurden gemeinsam die betriebliche Situation analysiert und passgenaue Fördermöglichkeiten aufgezeigt. Dabei wurde deutlich, dass viele Arbeitgeber die Vielzahl an Förderinstrumenten und Unterstützungsmöglichkeiten gar nicht kennen – oder den Verwaltungsaufwand scheuen.

Gemeinsam wurden die für den Betrieb passenden Förderinstrumente ausgewählt und beantragt. Während des gesamten Prozesses wurde der Arbeitgeber begleitet und erhielt durch das Netzwerk der EAA kurze Wege zu den zuständigen Leistungsträgern. So musste er sich nicht selbst durch die unterschiedlichen Fördermöglichkeiten arbeiten, sondern konnte sich auf sein Unternehmen konzentrieren.

Mehr als finanzielle Förderung

Die Beratung beschränkte sich nicht auf Zuschüsse. Gemeinsam mit der EAA wurden unterschiedliche Leistungsträger eingebunden und individuelle Lösungen entwickelt.

Über die Deutsche Rentenversicherung Bund erhielt der Arbeitgeber einen Eingliederungszuschuss über einen Zeitraum von zwei Jahren, der die Personalkosten während der Einarbeitungsphase finanziell unterstützt.

Zusätzlich wurde gemeinsam die Einstellungsprämie nach dem Hessischen Perspektivprogramm zur Arbeitsmarktintegration schwerbehinderter Menschen (HePAS) beantragt.

Doch damit endete die Unterstützung nicht.

Da die neue Mitarbeiterin aufgrund ihrer körperlichen Einschränkung einen ergonomisch angepassten Arbeitsplatz benötigt, wurden das Integrationsamt sowie der Technische Beratungsdienst Kassel eingebunden. Gemeinsam wurde der Arbeitsplatz vor Ort begutachtet und geprüft, welche technischen Hilfsmittel den Arbeitsalltag erleichtern und den Betrieb gleichzeitig entlasten können.

Im Anschluss konnten Leistungen zur behinderungsgerechten Ausstattung des Arbeitsplatzes beantragt werden.

Durch die bewilligten Förderleistungen konnte der Arbeitsplatz individuell an die gesundheitlichen Anforderungen der neuen Mitarbeiterin angepasst und gleichzeitig der Betrieb nachhaltig entlastet werden.

Mehr als eine neue Mitarbeiterin

Für Stoff³ bedeutet diese Entwicklung weit mehr als die Einstellung einer neuen Mitarbeiterin.

Aus einem Ein-Mann-Betrieb ist ein Unternehmen geworden, das personell wachsen konnte. Arbeitsabläufe können heute auf mehrere Schultern verteilt werden, Kapazitäten wurden erweitert und der Betrieb ist insgesamt zukunftsfähiger aufgestellt.

Gleichzeitig entstand ein moderner, ergonomischer Arbeitsplatz, der an die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiterin angepasst wurde. Von dieser Investition profitiert nicht nur die neue Beschäftigte, sondern auch der Betrieb selbst: Moderne Arbeitsplätze fördern gesundes Arbeiten, steigern die Arbeitsqualität und schaffen langfristig bessere Rahmenbedingungen.

Für die Mitarbeiterin wiederum wurde aus einem Praktikum eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und damit eine echte berufliche Perspektive auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

Ein Beispiel, das Arbeitgebern Mut machen kann

Die Geschichte von Stoff³ zeigt eindrucksvoll, was entstehen kann, wenn Offenheit auf die passende Unterstützung trifft.

Am Anfang stand lediglich die Suche nach einem Praktikumsplatz.

Daraus entwickelte sich eine dauerhafte Beschäftigung, ein personeller Zugewinn für einen kleinen Handwerksbetrieb, finanzielle Entlastungen durch verschiedene Förderleistungen und ein behinderungsgerecht ausgestatteter Arbeitsplatz.

Viele Arbeitgeber wissen nicht, welche umfangreichen Fördermöglichkeiten und Unterstützungsleistungen ihnen bei der Beschäftigung von Menschen mit einer Schwerbehinderung oder Gleichstellung zur Verfügung stehen. Häufig bleiben finanzielle Hilfen ungenutzt – nicht aus mangelnder Bereitschaft, sondern weil sie schlicht nicht bekannt sind.

Das Beispiel von Stoff³ macht deutlich: Ein frühzeitiges Beratungsgespräch kann Türen öffnen, von denen viele Unternehmen gar nicht wissen, dass sie existieren. Wer sich informiert, entdeckt häufig Möglichkeiten, die Einstellungen erleichtern, Investitionen fördern und Beschäftigung langfristig sichern können.

Manchmal beginnt nachhaltige Personalentwicklung tatsächlich mit einem einzigen Gespräch.

 

EAA-Fachberaterin
Farzanah Ghambari
Telefon: 0561 50726-29
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E-Mail: ghambari.farzanah@bwnw.de 
 

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Farzanah Ghambari (EAA-Fachberaterin) und Rudolf Latikan (Stoff³ Textilveredelung)